Schmidt-Rubin 1896/11

Schmidt-Rubin 1896/11

Geschichte

Im Jahre 1903 begann in der Schweiz eine weitreichende Diskussion über die Einführung einer leichteren und besser zu führenden Waffe, in Verbindung mit einer Patrone, die über eine höhere Mündungsgewschwindigkeit verfügen sollte als die bis jetzt im Dienst stehende 7.5x53.5 Swiss (GP90 & GP 90/03) und 7.5x54.5 Swiss (GP90/23). Diese Patronen sind natürlich nicht zu verwechseln mit der heute in Dienst stehenden GP90, also der .223 Remington oder .223 NATO. Die Bezeichnung der alten Patronen geht auf das Jahr 1890 zurück (Gewehrpatrone 1890), während sich die neue Patrone am Jahr 1990 (Gewehrpatrone 1990) orientiert.
Die Notwendigkeit einer solchen Veränderung in der Bewaffnung lag auf der Hand, da die Kombination des 1889/96 Verschlusses mit der (alten) GP90 einige ballistische Nachteile brachte, wie etwa eine nicht ausreichende Präzision bei Langdistanzschüssen. Im Spätsommer des Jahres 1907 schliesslich, gab die die Schweizerische Gewehrkommission der Waffenfabrik Bern den Auftrag, zweihundert Gewehre für Testzwecke zu fabrizieren.
Folgende Konfigurationen wurden dann produziert:

  • 50 Gewehre mit 1889/96 Läufen im Kaliber GP90
  • 50 Gewehre mit 1889/96 Läufen, ebenfalls im Kaliber GP90 jedoch mit überarbeitetem Patronenlager
  • 50 Gewehre mit 1889/96 Läufen im neuen Kaliber (die spätere GP11) mit überarbeitetem Patronenlager
  • 50 Gewehre mit neuen Läufen und im neuen Kaliber (die spätere GP11)

Weitere Neuerungen wurden ebenfalls eingeführt. Dies beinhaltete unter anderem das Fehlen des typischen Magazinlösehebels, eine bessere Visierung und zusätzlich eine Integralschäftung. Die Integralschäftung wurde zwar in der Folge als überflüssig verworfen, der Testprozess allerdings überaus erfolgreich beendet. Deshalb wurde die Waffenfabrik Bern beauftragt, 900 Infanteriegewehre und 100 Karabiner herzustellen, als Prototypenserie, um die neue GP08 Patrone (später GP11) ausgiebigen Versuchen unterziehen zu können. Diese Gewehre und Karabiner der Modellreihe 1908 wurden für die sechs Schuss fassenden Magazine der Schmidt-Rubin Serie 1899/1900 eingerichtet und zusätzlich mit den neuen Visierungen versehen. Diese Modellreihe 1908 brachte auch einige Besonderheiten hervor. Im Verschlussbolzen des Modells 1908 finden sich drei rundum laufende Löcher, vermutlich um Gewicht zu sparen, und passend dazu drei Aussparungen im Verschlussgehäuse, die von verschiedener Länge sind. In der Mitte findet sich die längste Aussparung, während daneben zwei kürzere liegen. Alle anderen Schmidt-Rubin Modelle zeigen Aussparungen in gleicher Länge und zudem sind die seitlichen Aussparungenen in gleicher Position gefertigt.

Umrüstung

Im Jahre 1907 schliesslich wusste die Schweiz, dass die alte GP90 gegenüber der Konkurrenz von Frankreich, Italien, dem deutschen Reich und Österreich-Ungarn (K&K Monarchie) ausgedient hatte. Somit musste eine neue Gewehrpatrone her, die in der 1908er Serie endlich gefunden wurde. Die damals noch VGP08 genannte Patrone brachte viel bessere Resultate hervor als die alte GP90. Das führte natürlich dazu, dass die alte GP90 durch die neue VGP08 ersetzt wurde. Eingeführt wurde diese Patrone unter dem allseits bekannten Namen GP11 (Gewehrpatrone 1911).
Entscheidend war, dass die alten Gewehrmodelle 1889/96 auf das Verschiessen der neuen Patrone durch Laufwechsel umgerüstet werden konnten. Die Gewehre des Modells 1889 konnten allerdings nicht mehr umgerüstet werden sondern nur die spätere Serie von 1896.

Folgende Arbeitsschritte waren für die Umrüstung nötig:

  • Einfügen eines neuen Laufes
  • Ersetzen der Visierung durch das neue Modell
  • Einsetzen eines kleinen Pistolengriffes am Schaft
  • Umrüsten des Magazinschachtes durch Demontage des Magazinlösehebels und Einfügen der Teile für den neuen Magazinhalteknopf, der nun direkt am Magazin angebracht war (Magazintyp 1889/1900, sechs Schuss fassend). Der Verschluss konnte nun nicht mehr geschlossen werden, wenn das Magazin leer war. Gleichzeitig musste ein neuer Abzugsbügel montiert werden, um die Aufnahme des neuen Magazins zu erlauben.

Natürlich brauchte es für die Umrüstung einige Jahre, bis endlich alle alten Modelle konvertiert waren. Danach waren alle alten 1889/96 Modelle umgebaut zu 1896/11, bis auf wenige Stücke. Die Produktion des Infanteriegewehres 1911 und die Konvertierung der alten Modelle ging bis etwa 1918. Natürlich konnten die Truppenteile, die gerade ihre alten Gewehre zur Konvertierung abgegeben hatten nicht unbewaffnet gelassen werden, weshalb diese mit dem Modell 1889 ausgerüstet wurden, sehr zum Ärger der Soldaten. Diejenigen Truppenteile die damals noch ausgerüstet mit dem Kurzgewehr 1889/00 und dem 1905 Karabiner waren, wurden mit 1893 Karabinern bestückt, während sich ihre Gewehre in Revision befanden.
Alle Soldaten, die zu dieser Zeit ihren obligatorischen Dienst beendet hatten, erhielten ein Gewehr 1889 und behielten dies bis zum Zeitpunkt ihrer Entlassung. Ihre Gewehre 1889/96 wurden eingezogen und den neuen Rekruten nach der Konvertierung zur Verfügung gestellt.
Solange keine neuen Modelle zur Verfügung standen, erhielten auch Rekruten das Modell 1889 und wurden erst später mit den neuen Langgewehren 1911, dem Karabiner 1911 oder dem konvertierten Modell 1889/96 ausgerüstet.

In den kantonalen Zeughäusern wurden nur nachträglich die neuen Modelle eingeführt. Einige Quellen berichten von unterschiedlichen Prioritäten innerhalb der Neuausrüstung der Zeughäuser, was allerdings bis heute nicht gänzlich geklärt werden kann. Auf jeden Fall konnten sich grenznahe und bevölkerungsreiche Kantone zuerst über die neuen oder konvertierten Modelle freuen.

Technische DatenSchmidth-Rubin 1896/11
Hersteller: W+F, Eidgenössische Waffenfabrik, Bern
Kaliber: 7,5 Swiss (7,5 x 55mm), GP11
Gesamtlänge: 1'300 mm
Breite (ohne Ladegriff): 53 mm
Lauflänge: 779.8 mm
Drall-Länge: 270 mm / rechts (bei 6000 Stk. 228.6 mm)
Anzahl Züge: 4
Waffengewicht (ungeladen): 4,51 kg
Magazinkapazität: 6 Schuss, doppelreihig
Mündungsgeschwindigkeit: 760 m/s
Feuerrate: ca. 12 Schuss/min
Effektive Schussweite: 300 bis 400 m
Grösste Schussweite: min. 3'500 m
Visierung: bis 2000 m einstellbar
Total Produktion : 135'770
Bajonette: Dolchbajonette 1889 & 1899 sowie das Sägebajonett 1906 (für Pioniere)