Stgw 57 (SIG 510)

SIG 510

Allgemein

Im Jahre 1957 wurde in der Schweizer Armee eine neue Standardwaffe eingeführt, namentlich das SIG 510 oder besser bekannt als Stgw 57. Damit folgte die Armee der technischen Entwicklung und stellte dem Soldaten erstmals eine Waffe dieser Art zur Verfügung. Das Stgw 57 löste den reinen Geradezugrepetierer Karabiner 31 (und typengleiche Arten) ab. Doch trotz dieser technischen Neuerungen entsprach das Stgw 57 nicht unbedingt den Anforderungen an eine von einem einzelnen Soldaten zu führende Waffe. Das Stgw 57 war vorab zu schwer und zu gross, was es ausserordentlich unhandlich machte. Es gleicht in seiner äusseren Erscheinung eher einem leichten Maschinengewehr als einem Sturmgewehr. Diese Tatsache schlug sich auch im Anschaffungspreis nieder, denn als Vollstahlwaffe mit feststehendem Lauf und verschiedenen Blechteilen im Verschlussbereich und mit zusätzlich äusserst kompliziert zu fertigenden Teilen war das Stgw 57 überdurchschnittlich teuer. Trotz allem aber war die Waffe ausserordentlich widerstandsfähig und für die damalige Zeit überragend präzise.

Die verschiedenen Versionen

Das Stgw 57 wurde in verschiedenen Ausführungen produziert. Dazu gehören das SIG 510-1 (eine identische Version zum Stgw 57), das SIG 510-2 (eine leichtere Version), das SIG 510-3 (ausgelegt auf das sowjetische 7.62x39mm Kaliber, das unter anderem in der Kalaschnikow Verwendung fand), das SIG 510-4 (von der chilenischen und bolivianischen Armee gekauft) und das SIG AMT (sog. "American Match Target", im Kaliber 7.62mm oder .308 Winchester, eine halbautomatische Version für den Export in Länder wie z.B. die USA). Daneben gab es natürlich noch das PE 57, eine halbautomatische Version für Sportschützen ohne Ausnahmebewilligung zum Erwerb von Seriefeuerwaffen.
In grossen Stückzahlen wurden nur das Stgw 57, das SIG 510-4 und das SIG AMT beziehungsweise PE 57 produziert. Bei allen anderen Versionen handelt es sich zumeist um Versuchsreihen, die heute sehr gesucht und selten sind.
Das Funktionsprinzip ähnelt dem deutschen Heckler & Koch G3, handelt es sich doch bei beiden Waffen um Rückstosslader mit unverriegeltem Masseverschluss. Sogar die Rollen am Verschluss wurden übernommen. Einige Abänderungen im Bereich des Patronenlagers und der Dimensionen führten schliesslich doch zu einer eigenständigen Entwicklung. Weiter umfasst das Stgw 57 einen festen Kolben, einen Lauf mit Mündungsfeuerdämpfer, Granatwerfer-Adapter mit Bayonetthalterung sowie verstellbare Zweibeinstützen, die als Mittel- wie auch als Vorderstütze verwendet werden können. Eine Neuerung war der abklappbare Winterabzug, der auch das Abziehen mit Handschuhen oder das gefahrlose Verschiessen von Gewehrgranaten ermöglichte.
Im Kaliber wurde mit dem Stgw 57 die Traditionspatrone 7.5x55mm Swiss weiter verwendet, die schon in den Karabinern 11 und 31 ihren Dienst getan hatte.
Als Fazit könnte man sagen, dass das Sturmgewehr 57 wohl eines der am feinsten gearbeiteten Sturmgewehre des zwanzigsten Jahrhunderts ist aber gleichzeitig auch eines der teuersten in der Anschaffung.

Immer häufiger wird heute das Sturmgewehr mit Ringkorn und anderen Verbesserungen versehen.

Sturmgewehr 57 und Granate 58

Das Stgw 57 wurde natürlich entsprechend den militärischen Standards für das Verschiessen von Gewehrgranaten eingerichtet. Zwei unterschiedliche Arten von Granaten konnten verschossen werden. Dies waren zum einen solche mit eigener Treibladung und solche ohne. Die reelle Einsatzreichweite von Gewehrgranaten ohne Treibladung lag bei 30 bis 50 Metern, wobei das Ziel im Direktschuss bekämpft wurde. Die Einsatzreichweite der anderen Granatenart betrug im Bogenschuss über 100 Meter, wobei auf das Gelände Rücksicht genommen werden musste.
Die Anwendung der Gewehrgranaten war denkbar einfach. Es mussten lediglich grün markierte Treibladungspatronen, die für beide Arten als Zünder und Treibladung dienten, in das Magazin geladen und anschliessend die Granate (im Schweizer Volksmund "Panzerrunggle" genannt) auf den Lauf gesteckt werden. Danach konnte über den "Winterabzug", zur Verhinderung von Fingerbrüchen aufgrund des starken Rückschlages, die Treibladungspatrone und somit die Gewehrgranate gezündet werden. Die Treibladunspatrone enthielt natürlich kein Geschoss sondern ähnelte in Form und Funktion einer handelsüblichen Platzpatrone.
Die Sprengköpfe der Gewehrgranaten wurden auf das Durchbrechen von leichten bis mittelschweren Panzerungen ausgelegt. Im Notfall konnten diese Granaten aber auch zum Bekämpfen von Mann- und anderen Sachzielen verwendet werden.

Technische Daten SG 510 Standardwaffe

Kaliber: 7,5 mm (7,5x55 Swiss / GP11), im Ausland .308 Win
Gesamtlänge: 1100 mm
Lauflänge: 609 mm
Visier: Lochdiopter und Korn (beides abklappbar)
Waffengewicht: 5,9 kg (leeres Magazin), 6,8 kg (mit vollem Magazin)
Magazinkapazität: 24 (Version SIG AMT 20er Stangenmagazin)
Mündungsgeschwindigkeit: 750 m/s
Schusskadenz: 450 bis 600 Schuss/min (je nach Verschmutzungsgrad)
Funktionsprinzip: Rückstosslader, unverriegelter Masseverschluss
Effektive Schussweite: 600 m
Speziell: Winterabzug, Abzugswiderstand mit Schraubenzieher regulierbar

Link zur SAN Swiss Arms AG: www.swissarms.ch