Stgw 90 (SIG 550)

SIG 550

Allgemein

Traditionsgemäss müssen Ordonnanzwaffen (ugs. "Armeewaffen","von der Armee standardmässig geführte Waffen") in der Schweiz nicht nur die Bedürfnisse der Armee abdecken, sondern gleichzeitig auch den Sportschützen genügen, denn das in der Schweiz tief verwurzelte und mit Begeisterung geführte Schützenwesen greift zu einem grossen Teil auf Waffen der Armee zurück.

Das SG 550 erfüllt dabei alle Bedürfnisse vorzüglich und gilt als eines der besten Sturmgewehre der Welt.
Behörden, Spezialeinheiten und Armeen werden mit Sturmgewehren der SG 550 Linie ausgerüstet. Durchdachte Technologie und funktionelles Design führen zu hervorragenden Lösungen, dies bestätigen harte Praxistests immer wieder.
Umfangreiche Tests in den alpinen Regionen der Schweiz zeigen die hohe Präzision und Funktionssicherheit dieser Gewehre; selbst bei extremer Kälte, Staub, Sand und Schlamm. Die SG 550 Linie überzeugte so die als besonders kritisch geltende Schweizer Armee.
Das Schweizer Sturmgewehr wird permanent optimiert: Erfahrungen aus der Praxis fliessen in die Produktion ein und führen zu Verbesserungen bei Material, Ergonomie und Fertigung. Absolute Zuverlässigkeit unter allen Bedingungen ist das Ergebnis dieser laufenden Weiterentwicklung.
Die Produktlinie SG 550 besteht aus einer strategischen Gewehrfamilie für den Mehrzweckgebrauch - für Einsätze zu Lande, auf dem Wasser und in der Luft.

Geschichte

Zu Beginn der 80er Jahre begann die Schweizer Armee einen Ersatz für das veraltete Sturmgewehr 57 (SG 510) zu suchen. Traditionsgemäss sollte die Waffe eine rein schweizerische Entwicklung sein, unabhängig und neutralitätspolitisch korrekt. Die Grundlage dieses neuen Gewehrmodelles bildete das SIG 540, das bereits in den frühen siebziger Jahren von SIG Neuhausen produziert wurde. Grundsätzlich kann man sagen, dass das SIG 550, besser bekannt als Stgw 90, eine Weiterentwicklung des SIG 540 ist.Dennoch gibt es einige, teilweise frappante, Unterschiede. Das SIG 550 setzt sich deshalb nicht nur optisch von seinem Vorgänger ab. Das SIG 550 verfügt über einen anders geformten Klappkolben, durchsichtige, koppelbare Magazine und einen neuen vorderen Handschutz. Zusätzlich wurde der Lauf auf ein Geschossgewicht von 63 Grains (Gewehrpatrone 90 oder kurz GP 90) anstatt 55 Grains (M193) ausgelegt. 1981 wurden dann je 400 Exemplare des SIG 550 beziehungsweise 551 von W+F im Truppenversuch auf die Probe gestellt. Dabei waren je 200 Exemplare auf das Kaliber .223 Remington (gleichbedeutend mit .223 NATO, GP 90 oder 5.56mm) und 200 auf das neu entwickelte Kaliber 6,45mm ausgelegt. Schliesslich verzichtete man jedoch auf das Kaliber 6,45mm, obwohl es einige ballistische Eigenschaften besass, die durchaus eine Verwendung gerechtfertigt hätten, da die Waffe auch exportiert werden sollte.
Die Versuche endeten im Jahr 1985 mit der Wahl des SIG 550. Ab 1990, daher auch der Name Sturmgewehr 90, sollte dieses Gewehr in der Armee als Standardwaffe eingeführt werden. 15'000 Stück sollten vorab in Nullserie hergestellt werden und noch im selben Jahr wurde die Fallschirmjägerkompanie 17 als erste Einheit mit dem neuen Gewehr ausgerüstet. Auf die Einführung des SIG 551, eine gekürzte Version mit besonderer Ausstattung, wurde verzichtet. Allerdings konnte diese Waffe in Eigenregie von einigen Einheiten in die Arsenale genommen werden, wie etwa den MP-Grenadieren der MP-Schutzkompanie.

Technik

Das Stgw 90 gleicht im System der AK-47. Nur ein Unterschied fällt sofort ins Auge: Die Verschlussfeder ist, anders als beim AK-47 nicht hinter dem Verschluss angebracht, sondern umschliesst die Gasstange. Der Verschluss ist ebenfalls dem des AK-47 ähnlich, handelt es sich doch bei beiden um Drehkopfverschlüsse mit zwei Verriegelungswarzen.
Die SG 550-Modell-Linie arbeitet mit indirektem Gasdruck und, wie gesagt, einem Drehverschluss-System. Als Gasdrucklader ist jede einzelne Waffe höchst robust und zuverlässig. Dieses Funktionsprinzip reduziert den Rückstoss auf ein Minimum und garantiert optimale Funktion sogar unter den extremsten Bedingungen. Unterschiedliche Gasdrücke und Munition haben keinen Einfluss auf Funktion und Sicherheit.
Eine maximale Bedienungssicherheit ist gegeben, da eine vorzeitige Entriegelung des Verschlusses durch Überdruck nicht möglich ist. Der Gasdruck kann sogar reguliert werden, wenn die Waffe stark verschmutzt ist. Die indirekte Gasentnahme verhindert zuverlässig Verschmutzungen an Verschluss und Gehäuse. Das Gassystem kann komplett entfernt und leicht gereinigt werden.
Es entsteht keine Überfunktion (durch Energieüberschuss) wodurch eine geringere Beanspruchung der Waffe und bessere Kontrolle beim Serienfeuer gewährleistet ist.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Sturmgewehren der Welt verfügt das SIG 550 nicht über einen Direktabzug sondern über einen äusserst guten Druckpunktabzug, der überdies noch feldmässig justiert werden kann.
Da die Waffe jedoch über sehr enge Toleranzen verfügt, ein überzeugendes Qualitätsmerkmal, kann sie schneller als andere Sturmgewehre verdrecken. In den diversen Feldversuchen zeigte sich, dass sie nach etwa 1'000 Schuss gereinigt werden muss, da dann erste Ladehemmungen auftreten können. Doch auch dies ist kein tragender Nachteil, da das SIG 550 und alle Abkömmlinge dieser Reihe äusserst schnell zerlegt und gereinigt werden können.
Die Waffe erfüllt Matchkriterien und wird deshalb an internationalen Wettbewerben von Militäreinheiten sogar als Scharfschützengewehr mit Zielfernrohr verwendet. Die meisten ausländischen Einheiten müssen für solche Aufgaben auf andere Gewehre und Waffensysteme zurückgreifen, da die Standardwaffe der jeweiligen Armee grösstenteils in Sachen Präzision den gestellten Anforderungen nicht gerecht wird. Das M 16 der amerikanischen Armee beispielsweise, das bald durch ein anderes Gewehr ersetzt werden soll, kann auf 300 Meter nicht mit einem SIG 550 konkurrieren, ebenso wie eine AK-47 und ähnliche, wie etwa das G3 der deutschen Streitkräfte.
Das Gewehr ist auch auf das Verschiessen von Gewehrgranaten ausgelegt. Der dazu benötigte 20mm Ring findet sich vorne am Lauf. Allerdings führte die Schweizer Armee nie solche Granaten ein. Zusätzlich kann ein 40mm Granatwerfer unten am Handschutz montiert werden. Dieser tut seinen Dienst als Korpswaffe z.B. bei den Grenadieren.

Technische DatenSG 550 Standardwaffe
Kaliber: 5,56 mm (.223 Rem.)
Gesamtlänge: 998 mm
Gesamthöhe: 210 mm
Länge mit eingeklapptem Kolben: 772 mm
Lauflänge: 528 mm
Drall-Länge: 178 mm (7") / 254 mm (10")
Anzahl Züge: 6
Visierlänge: 540 mm
Waffengewicht: 4,1 kg
Magazinkapazität: 5, 10, 20, 30
Magazingewicht mit 20, 30 Schuss: 340, 480 g
Kampfgewicht mit 120 Schuss: 6,0 kg
Magazingewicht leer 20, 30 Schuss: 95, 110 g
Abzugsgewicht: 35 N (3,5 kg)
Mündungsenergie: 1700 J
Schusskadenz: ca. 700 Schuss/min
Funktionsprinzip: indirekter Gasdrucklader
Verschluss: Drehverschluss

Link zur SAN Swiss Arms AG: www.swissarms.ch